Warum ich nicht „gendere“


Wer sich jetzt im ersten Moment fragt was genau ich denn nicht tue muss nicht unbedingt gleich verzweifeln, denn das Word „gendern“ existiert laut Duden nicht. Da hilfts auch nichts, wenn einige Lehrveranstaltungen an der Universität so heißen, das Wort gibt es schlicht und einfach so nicht. Wikipedia weiß es aber natürlich besser und definiert „gendering“ wie folgt:

Gendering (abgeleitet von engl. „Gender“ – [soziales] Geschlecht) bezeichnet eine ursprünglich hauptsächlich von Feminist(inn)en und emanzipatorischen und libertären Strömungen praktizierte Bestrebung, die Gleichstellung der Geschlechter in Sprache und Gesellschaft zu etablieren. Dazu werden beispielsweise Texte „gegendert“, also in einer möglichst geschlechtsneutralen Form verfasst oder aber das Binnen-I (wie zum Beispiel in „StudentInnen“) verwendet.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gendering

Das ist es also, was ich hier manchmal, aber keinesfalls konsequent durchgehend machen will. VieleInnen sind der Auffassung, dass dies im Kampf für eine geglückte Gleichberechtigung eine wichtige und gute Sache ist. Das will ich auch nicht gänzlich ablehnen, aber man muss abwiegen wo die politische Korrektheit beginnt und die Lesefreundlichkeit aufhört und vor allem wo man seinen Lesern genügend soziale Intelligenz zutraut um die völlige Gleichstellung der Frau, auch ohne missachten von Semantik, anzuerkennen. Anders gesagt: Ich seh es vollkommen ein wenn in einem Kinderbuch von z.B. Ärztinnen die Rede sein muss um den miesen traditionellen Rollenbildern die Lebensgrundlage zu entziehen. Was ich nicht einsehe ist, wenn ich als Leser von verschiedenen Blogs, Aufsätzen, Zeitungsartikeln, etc. wie ein ebensolches Kind behandelt werde und zu allem Überfluss auch noch die Lesbarkeit und Ästhetik eines Textes furchtbar darunter leidet.

All-Gender Restroom Sign, Picture by samirluther / Flickr.com.

Damit will ich nicht sagen, dass das Binnen-I in Texten für Erwachsene nie angewendet werden soll, denn man kann immer noch bestimmte Aussagen eines thematisch passenden Textes damit verstärken und es als Stilmittel einsetzen.  Damit kann man dann auch effektiver und sympathischer das oft erwähnte „Denken“ anregen, was mit dem Binnen-I ja so oft erreicht werden will. Der Wunsch nach Gleichberechtigung hat nämlich besseres verdient als liebloses um-sich-schmeißen mit Buchstaben.

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~ von negotiableme - November 25, 2009.

Eine Antwort to “Warum ich nicht „gendere“”

  1. Besonders unfair/widersprüchlich finde ich es, wenn diese „xxxInnen“ laut gelesen werden und (völlig irritierender Weise) plötzlich _nur_ noch von einer Studentinnen-Vertretung die Rede ist.

    Das stört mich fast so sehr wie man vs. frau.

    Ich bin auch nicht gänzlich dagegen, aber das Gendern sollte sich weder störend auf den Lesefluss auswirken, noch sollte es den Spieß umdrehen und nur noch den Frauen zugute kommen (ist doch nicht so schwer Studenten und Studentinnen zu sagen).

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